Anforderung "Deutsch als Muttersprache" benachteiligt Bewerber wegen ethnischer Herkunft

Koblenz, 12.09.2015

Verlangt ein Arbeitgeber, in einer Stellenausschreibung "Deutsch als Muttersprache", verstößt er gegen das Benachteiligungsverbot aus §§ 7 Abs. 1, 1 AGG., so das LAG Hessen in seiner Entscheidung vom  15.6.2015, 16 Sa 1619/14.

Dieses Auswahlkriterium stellt eine unmittelbare Benachteiligung wegen der ethnischen Herkunft der Bewerber dar, die Deutsch nicht als Muttersprache erlernt haben und zielt damit also nicht  lediglich auf die perfekte Beherrschung der Sprache ab. Diese Bewerber werden wegen ihrer Nichtzugehörigkeit zur deutschen Ethnie unabhängig von ihren tatsächlichen Sprachkenntnissen ausgeschlossen.

Das LAG Hessen  führt in seiner Entscheidung aus, dass das Merkmal der ethnischen Herkunft in einem umfassenden Sinn zu verstehen sei , um einen lückenlosen Schutz vor Diskriminierungen zu gewährleisten. Da als  "Muttersprache" die in früher Kindheit ohne formalen Unterricht erlernte Sprache bezeichnet wird, ist Muttersprachler eine Person, in deren Elternhaus die betreffende Sprache gesprochen wurde. Daher knüpft der Begriff der Muttersprache an die ethnische Herkunft einer Person an.