18.02.2017 - Elternunterhalt : Grobe Verfehlungen führen zu Ausschluß

Koblenz, den 18.02.2017

 

Eine Unterhaltsverpflichtung eines erwachsenen Kindes gegenüber einem bedürftigen Elternteil kann gemäß Beschluss vom 04.01.2017 des Oberlandesgerichts Oldenburg (4 UF 166/15 ) entfallen, wenn der bedürftige Elternteil seine eigene, frühere Unterhaltsverpflichtung  gegenüber dem Kind gröblich vernachlässigt hat und eine Inanspruchnahme insgesamt als grob unbillig erscheint.

Zwar, stellt nicht jeder Kontaktabbruch zum eigenen Kind eine grobe Verfehlung dar; kommt es, wie in dem Beschluss zugrundeliegenden Streitfall,  jedoch erschwerend hinzu,  dass neben dem Kontaktabbruch auch  eine grobe Verletzung der Unterhaltspflicht gegenüber dem Kind erfolgte, so führt dies nach Ansicht des OLG dazu, dass das Kind für sein Elternteil nicht mehr einstehen müsse.

Im zugrunde liegenden Streitfall hatte ein Vater über sechs Jahre lang gar nichts für die damals noch bedürftige Tochter gezahlt, obwohl er in der Lage gewesen wäre, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Darüber hinaus hatte der Vater bei seiner Trennung von der Mutter per Einschreiben mitgeteilt, dass er von seiner alten Familie nichts mehr wissen wolle. Die Tochter hatte als Kind daher nicht nur wirtschaftlich schlecht dagestanden. Sie hatte auch die emotionale Kälte des Vaters durch den Kontaktabbruch erfahren müssen. Diese grobe Verfehlung führte zum Verlust des Unterhaltsanspruchs.